Der Student ist Bildungspolitisch für Höheres geschaffen - der aktuellen Entwicklung zu Folge sollte er künftig sogar aus Höherem stammen - da sollte es vielleicht beruhigen, dass unsereiner Wissen und Erfahrung den Azubi überholt (Konzept) oder doch hinter ihm zurück bleibt (Technik). Is aber eigentlich auch egal, denn jetzt hat mans noch schön warm in der Studentenbude und klebt gemütlich seine Projektscheine ins Panini-Album. Doch das Bedürfnis nach dem Update Post-Studium-Realität 2.0 wächst mehr und mehr, spätestens wenn das Diplom dämmert und die Absage aller Vorzüge, die der Student geniessen durfte, am Cortex klingelt und um Einlass bittet.

Krankenkasse, Bafög, selbst Mensa werden sehr bald nicht mehr zugänglich sein und die Mechanismen und Verpflichtungen des freien Marktes wirken ungehindert auf die wirtschaftliche Kleinsteinheit Diplom-Designer mit Girokonto ein. Das sollte Druck erzeugen. Aber noch ist man gelassen und verschiebt den Druck gern auf morgen, dann hat man auf jeden Fall Zeit, weil heute gefeiert wird. Vielleicht ist übermorgen doch besser… Wie wappnet man sich also für die Zeit danach? Was tut man, um nicht aufs Mundwerk zu fallen und wo sind Mama und Papa, wenn man ihre Stütze braucht? Wie überwindet man den Mauerstreifen Post-Diplom und was ist mit dem Leben danach?

In der Obhut der Alma Mater ist man dem Update am entferntesten, so unser Postulat mit dem wir auszogen, um das Wissen einzutreiben, das in keiner Bibliothek aufzuspüren ist. „Goscht na' und rädscht mit denne”, empfahl die Mama einem der Unsrigen. Mit diffuser Orientierung, der journalistischen Erfahrung eines Kommunikationsdesigners und dem Handy mit Aufzeichnungsmodus in der Jackentasche fragten wir also an. Die Befragung ist dabei Weapon of Choice. Denn wie Charakterisiert man den Goldenen Weg, der einem den Glamour ums Profil zaubert, den der Designer an sich allein schon der Bezeichnung wegen verdient? Die naheliegendste Antwort heisst Praktikum und lässt sich sehr bereitwillig auf den Plan zerren. Doch das ersetzt noch lange keinen Überblick über das, was geht, und die Multidisziplinarität juckt uns doch allen in der Wirbelsäule. Also wird einfach querbeet durchgefragt (naürlich!), um erschnorrtes Wissen zwischen den Zeilen zu konservieren.

Das Interview als populäres Tool der Recherche, des Berichts in authentischster Form. Aber oft auch als Mittel der Selbstdarstellung - Jungs und Mädels, das Ding heisst nicht vergebens Whitelabel! Unser Riot steckt in der Marke, schliesslich ist später noch genug Zeit die Puschen anzuziehen. „Jung von Matt ist cool, sagen doch alle. Warum sollen das nicht alle wissen?” „Das hier ist keine Schnittstelle für Agenturen und der Pose dahinter - aber auch keinesfalls Diss”, sagen wir. Es geht um Anderes, um die Wucherungen, die hinter dem offensichtlichen Plateau liegen. Die Wucherungen, die recht selten beleuchtet werden, wenn man die üblichen Informationsgeber aufschlägt. Das Dahinter, von dem man nur eine Ahnung erfährt, wenn man drinsteckt mit allen Konsequenzen und Bedingungen. Diese Melange, die einige ernüchtern lässt, weil sie ES anders erwarteten oder gerade weitermachen lässt. Das Ding auf den man den Finger halt nur recht schlecht legen kann, wenn man danach gefragt wird. Der Kosmos, in dem sich einige Büros und Agenturen bewegen, ihre Perspektiven und ihr Stil... ihre Kultur. Die Oberfläche wird aufs Cover verwiesen. Destillat ist das Experiment dahinter.

Es geht um das Portrait und den Hintergrund mit dem man sich abgleichen kann. Nicht um der Aufgabe des eigenen Profils, sondern um des richtigen Tastsinns willen. Wieso länger durch die Adoleszenz quälen, wenn man den grossen Bruder/ die grosse Schwester fragen kann? Die Verkürzung einer Odysee, die Reflektion über den Status Quo in einem Bereich voll von Weißem Rauschen und eine darüber hinaus stattfindende Erhellung im Kopp des Studis sind Hoffnungen, die sich mit dieser Publikation verknüpfen. Aight!

Karl Badde, Johannes Ziebandt, Jens Ole Mayer & Max Lisewski

Unter den Gestaltern gibt es viele Einzelkämpfer, bei denen ich begreife, wie Goethe den Faust geschrieben haben muss. Das Leiden ist ja auch immer der Antrieb, das Mittelmaß hinter sich zu lassen.