Acht Angestellte. Zehn Freischaffende. Elf Agenturgründer. Zwei Studenten. Vier Creative Directors

Alle auf den ersten Blick nicht auseinander zu halten.

Whitelabel lässt keine Wertung auf den ersten Blick zu, denn Hinweise auf den Status der Designer sind unkenntlich gemacht. Mit dem Risiko, den eiligen Schnellleser zu erschrecken, ist eine konsequente Arbeit entstanden, die den Fokus klar auf die wesentliche Frage legt: Bin ich mit meiner gegenwärtigen Situation als Gestalter glücklich?

Namen und Brands werden im Text zu Platzhaltern und wandern dicht gedrängt aufs Cover. Anstatt für Aufregung zu sorgen, gehen große Namen in einer unübersichtlichen Fülle unter, werden gleichberechtigt mit allen anderen und verlieren ihre Wirkung. Was übrigbleibt sind Sammelbildchen.

Im Text aber verliert David Carson seinen Namen und wird mit einem Platzhalter ersetzt.

Wir erlauben dem Leser, die verloren gegangenen Profile wieder herzustellen: Jeder ausgesparte Name im Buch ist verbunden mit artverwandten Pendants. Goldene Linien ziehen sich wie Bindfäden über die Buchseiten, lassen sich nachvollziehen, stellen Zusammenhänge zwischen den Interviewpartnern klar und rekonstruieren diese. Die gesammelten Namen auf dem Cover können ausgeschnitten und in die Texte zurück befördert werden. Über die Linien, die quer durchs Buch verfolgt werden können, ergeben sich jene Zusammenhänge, die wir bewusst vom eigentlichen Text getrennt haben.

Die Profile werden also aus den Texten gelöst und in die visuelle Ebene gebracht. Während der Text weitgehend neutral bleibt, bildet die Gestaltung des Buches die Eitelkeit der Profile. Gold soll es sein, voll gepackt mit Marken und Glamour.

Whitelabel liegt in 400 handgefertigten Kopien vor.

Gedruckt wurde an einer Heidelberg Offsetmaschine der Bauhaus-Uni-Weimar. Papier der Papierunion bearbeiteten wir mit Schwarz und einer Sondermischung Gold. Das Ganze wurde mit Briefmarken-Papier umschlagen. „Ungestaltet gestaltet” und verpackt in Plast und Label, richtet sich das Buch ganz nach seinem Vinyl-Vorbild.

Nach 3 monatiger Recherche und 40 Interviews in vielen deutschen Städten ist ein charakteristischer, aber bewusst neutraler Querschnitt durch die deutsche Gestalterszene entstanden. Die große Frage nach dem „Leben, dem Universum und allem” wird vielleicht nicht beantwortet, jedoch bestätigt das Buch, dass man mit dieser Frage nicht alleine ist und kann jeder Gestalterseele eine Portion Gelassenheit mit auf den Weg geben.